Kieler Nachrichten kennt LOTTO !

Plenarsaal

“Glücksspielzentrum” Schleswig-Holstein?

Seit etwa 10 Jahren vergeht kaum ein längerer Zeitabschnitt, ohne dass im nördlichsten Bundesland für Aufregung in der Glücksspiellandschaft gesorgt wird. Allerdings findet diese eigentlich öffentlichkeitsträchtige Gemengelage in der örtlichen Presse kaum einen Niederschlag. Allenfalls gibt es mal eine Berichterstattung über eine Landtagssitzung, falls das Parlament dann doch zu einer Landesentscheidung gehört werden soll.

Effiziente thematische Hintergrundbeschreibung: Fehlanzeige. Doch mit einem Mal fand sich am 26.05.2020 in der Rubrik WIRTSCHAFT/REGIONAL der “Kieler Nachrichten“ folgender Artikel:

“Werbung für Online-Casinos?

Dürfen Online-Casinos bundesweit für sich werben, obwohl sie nur in einem Bundesland erlaubt sind? Diese Frage ist gestern am Münchner Landgericht I verhandelt worden. Die Parteien waren per Video zugeschaltet. Auf Klägerseite forderte der Verband der Glücksspielunternehmen, dass ein Fernsehsender mit Sitz in München nicht mehr für nicht bundesweit erlaubte Online-Casinos werben darf. Der beklagte Sender argumentierte dagegen, dass beides in Schleswig-Holstein erlaubt sei und dies in der Werbung auch deutlich gemacht werde. Ein weiterer Verfahrenstermin wurde für Mitte Juli festgelegt. Ob dann ein Urteil gesprochen wird, blieb zunächst unklar. Weil sich im März die Ministerpräsidenten der Länder auf einen neuen Staatsvertrag einigten, könnten Glücksspiele im Netz bald auch bundesweit erlaubt sein.“

Ein Statement der Kieler Zeitung dazu: Fehlanzeige. Eine Stellungnahme der zuständigen Innenministerin: wurde nicht eingeholt. Aber immerhin ein erster Einstieg, könnte man denken. Aber es kam noch besser – am 28.05.2020 titelte besagte Zeitung wie folgt:

„Reine Glückssache

Manche Nachrichten sind zu schön, um wahr zu sein. Dazu gehört folgende, breit an die Medien gestreut von onlinecasinosdeutschland.com, einer „Informationsplattform für verantwortungsbewusstes Glücksspiel in Deutschland“ (Eigenaussage). Die News lautet: Wir Schleswig-Holsteiner räumen beim Lotto die fettesten Höchstgewinne pro Spieler ab, nämlich 1,026 Millionen Euro. Verglichen damit sind Spieler aus Hamburg (441 085 Euro) oder Mecklenburg-Vorpommern (536 499 Euro) echte Nieten. 

Woran das wohl liegt? Dass Schleswig-Holstein eine Hochburg des Glücks ist, wissen wir – ahnen aber auch, dass „Glück“ in diesem Zusammenhang eher philosophisch zu verstehen ist und mit Lotto nur begrenzt zu tun hat. Ein kurzer Faktencheck zeigt: Die Aussage von onlinecasinodeutschland.com ist im Kern zwar richtig, in ihrer Aussagekraft jedoch sehr fragil. 

Das geht schon beim Zeitraum los: Untersucht wurden sämtliche Lottoziehungen zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 24. April 2020. Wie wohl das Ergebnis aussehen würde zwischen dem 1. Januar 2009 und dem 31. Dezember 2019? Vielleicht hat in dieser Zeit ja ein Bremer den Superjackpot geknackt und so sein Mini-Bundesland an die Spitze katapultiert? Je kleiner das Land, desto größer der Faktor Zufall. So trivial sind die Gesetze der Statistik. Übrigens: Bei 6 aus 49 liegt die Wahrscheinlichkeit, sechs Richtige zu tippen, bei 1:14 Millionen. Viel Glück!“

Fazit

Das lassen wir einfach mal so stehen. Man soll das (Zeitungs-)Glück auch nicht überstrapazieren. Schauen wir mal, was die Zukunft diesbezüglich bringen wird.

Hier kann der Beitrag angehört werden: